I heart Berlin

Es gibt in Berlin eine Jahreszeit, in der wir die Fenster aufreißt und nachts unsere Decken beiseitelegt. Es ist Frühling geworden, der die Stadt erhellt und das erste Lächeln zurück bringt in die verschiedenen Leben dieser außergewöhnlichen Stadt.

Der morgen erscheint im Sonnenlicht, die Dunkelheit kommt später und die Nächte werden klarer, während gleichzeitig ein Wunder geschieht: Der Stadtlärm wird mit dem Beginn des Vogelgezwitscher zum harmonischen und sanften Stadtmelodie, ohne welchen Berlin nicht Berlin wäre. Ein einzigartiges Flair liegt über der Muddastadt (Hauptstadt) und natürlich ein übler Geruch an fast jeder Straßenecke. Der jedoch das Frühlingsgefühl einfach nicht trüben kann.

 

Ich nehme ein Zug vollmundiger, stinkender, feinstaubiger BERLINER Stadtluft, ich fühle den „Frühling“ und meine heutige Reise durch Berlin kann beginnen.

Die Sonne taucht den Himmel zu früher Stunde in ein sanftes Rot, während die Stände auf dem Winderfeldplatz am Samstagmorgen ins Leben erweckt werden. Ich sehe zwischen frischen Obst, Gemüse, Blumen und anderen Leckerein, schöne Männer. Das wundervolle an diesem Ort ist, ich wandere unbedacht und frei, denn hier steht wahrlich keiner auf mich. Schöneberg einst Geburtsort von Größe Marlene Dietrich, ist heute rund um den Nolli (Nollendorf Platz) ein Tummelplatz für alle die ihre Sexualität frei leben. Homosexualität ist hier schon fast ein Muss.

Meine Reise führt mich zum Körper-Vitalis in der Winterfeldstraße.

Tipp: Eine Oase der Kraft - 40 min - 7 Euro Jade-Rückenmassage. Für alle unter uns die Entspannung brauchen, um den letzten Rest der Winterenergien aus dem Körper zu spülen, sollten hier altasiatische Massagekünste ganz modern genießen.

 

Beflügelt geht es mit meiner großen gelben Limousine, die U-Bahn, straight rein nach Mitte. Eine ganz normale Fahrt bekommt man in Berlin nicht. Ich treffe meine Freunde: Penner, Sänger und Stadtmusikanten. Der Großteil der Berliner ist wahrlich abgenervt, doch was so ein wenig Sonne in den Straße für Auswirkungen tief unter der Erde haben kann, ist erstaunlich.

 

O sole mio...klingt es durch die Bahn in Richtung Tegel ...Motz...Straßenfeger...Isch will euch ja nüsch nerven...Kleingeld...Moabit ist Moabit (BESTE)...tratttatttaaatatta...was zu essen nehm ick och - Ick hör Kleengeld klimpern, der Frühling ist da und das Geld fließt.



„Nächster Halt: Französische Straße“, scheppert es aus dem kaputten Lautsprecher. Heute mit all der Endorphin-Ausschüttung fühle ich kaum einen angenehmeren Klang.

Ich stürme aus der Bahn und während ich hoch laufe, fühle ich, wie der von der Sonne gewärmte Wind mich fast von den Treppen fegt. Vom Schatten ins Licht, was für ein wundervolles Gefühl. Ich stehe auf der Friedrichstraße - Posh, Glanz, Glamour, viele Touristen, Sonne – und mein Reise führt mich zum Gendarmenmarkt, auf dem eine Geigerin leidenschaftlich für ein paar Cent die Geige schwingt.

 

 

Ich fühle mich beflügelt, scheine leicht und erfüllt. Hopsend schaffe ich es zwischen den Menschenmassen über den Gendarmenmarkt. Einst Ort des politischen Geschehens, der von Revolution und Wiedervereinigung geprägt ist, zählt er heute zu den schönsten Plätzen Europas.

La Quchnia – Kaffee, Brot, Kultur ist mein Ziel, denn mein Geist und Leib schreit nach einer guten Erfrischung. Im Kultur-Kaffee bekommt man nebst gutem Kaffee, auch leckern Biokuchen und exzellentes Essen. Leider nichts für den kleinen Geldbeutel, aber lohnenswert. An der Eingangstür hängt ein DEFA-Plakat und im hinteren Teil des Kaffees eröffnet sich eine Galerie an DEFA-Filmen, neu aufbereitet.

Tipp: Für alle die Interesse an den Filmwerken der damaligen DDR haben, sind hier genau richtig. Man trifft man Größen aus dieser vergangenen Zeit, sieht Vorführungen der alt neuen Spielfilme und genießt Jazz-Konzerte vom Feinsten, all das in gemütlichen Ledersesseln. Gefährlich, gefährlich, denn schneller als ich dachte, ist eine Stunde rum und ich reiße mich aus meinem Sessel. Natürlich biete die Quchnia Platz vor dem Kaffee mit besten Ausblick, wärmenden Decken und SONNE.

 

 

Ich verlasse Mitte und begebe mich in einen entspannten Stadtteil: Kreuzberg 36 steht auf meinem Plan. Dort angekommen höre ich Pfeifen und Schnalzen hinter mir, skurrile Gestalten im Sonnenlicht. Ich erfreu mich dran, dass der Hormonspiegel steigt und jedes weibliche Objekt zur Begierde wird. So ein wenig Aufmerksamkeit in der wärmenden Sonne, kann die Seele doch ganz schön streicheln.

 

Der Kotti (Kottbuser Tor) ein Spielplatz zwischen sozialem Abgrund und Freiheit ist Boden für alles und nichts. Beim Wechsel der Straßenseite zaubert sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Krokusse gelb, lila und weiß säumen den Straßenrand und geben der sonst so tristen Fassade Farbe.

Tipp: der Markt am Maybach Ufer - Jeden Dienstag und Freitag gibt es hier günstig, gute und frische Sachen. Da heute Samstag ist, machen ich mich auf in die andere Richtung und lande auf meiner ach so schönen Oranienstraße

Ein Hund springt über die Straße, zwei Hunde springen über die Straße, drei Hunde springen über die Straße und so weiter. Der Sommer treibt nicht nur uns Menschen, sondern auch ihre Begleiter raus. Und das sind bekanntlich viele Begleiter in Berlin, denn: „Jeder hat einen Hund, aber Keinen zum Reden“ (Peter Fox). Ich genieße die Straße, Läden, entspannte Menschen an ihren Fenstern, Gespräche, Kinder, Sonne und viele lächelnde Gesichter.

Nach einiger Zeit komme ich am Schlesi (Schlesisches Tor) vorbei, kurz noch in einige Szeneläden reingeschaut, entscheide ich mich über die Oberbaumbrücke zuschreiten. Raus aus dem Kapitalismus, rein in den Osten. Und weil es schön ist, begegnen mir gleich zwei Wahrzeichen des Geldes: UNIVERSAL und die O2-Arena. Na ja, so differenziert wie zu Mauerzeiten ist es eben nicht mehr, aber Mauer haben wir noch in Berlin. Sie verbirgt heute den Space Beach und das Yaam zum Ufer der Spree, und wird von der East Side Galerie geschmückt. Die Graffitis und Malereien lassen mich in Gedanken schwelgen. Ich schließe meine Augen und sehe mich genau hinter dieser Mauer den Sommer genießen. Strand, Cuba Librè und gute Musik von House bis DanceHall, zu Tag und auch bei Nacht, sind meine Erfahrungen.

Tipp: Wer die teilen möchte, sollte sich an den Sonnentagen im Sommer an genau diese wundervollen Orte begeben. Handtuch eingepackt, denn mehr brauch man wahrlich nicht. Das Yaam und auch die Bar25 bieten besten Platz zum Sonnen und gute Drinks.

Für das I-Tüpfelchen meiner Reise begebe ich mich zur S-Bahn, auf zum Hackeschen Markt.

Angekommen habe ich mein Ziel in Gedanken schon fokussiert. An den leichten Mädels für 20, 50 oder 100 Euro vorbei, begebe ich mich auf meine geliebte Oranienburger Straße. Ich stehe zwischen Osten und Westen, Kultur und Prostitution und vor allem zwischen Glamour und alternativer Szene. Die Sonne gibt dieser besonderen Straße den letzen Schliff und auch hier ist der Frühling schon angekommen. Zu Hauf sehe ich die Berliner in der Sonne sitzen und am Tachelés lasse ich mich fallen.

Tipp: Im Hinterhof findet ihr eine sehr lustige und schräge Ausstellung geschweißter Skulpturen: Sehenswert und einfach mal anders und kostet kein Geld. Aber einen kleinen Obolus sollte man doch da lassen, damit genau solche Orte und Ideen erhalten bleiben. (Mehr zum Tachelés)

 

Und schon mache mich auf zum letzten Ziel meiner Reise....

 

Die Skyline von Berlin ergibt sich vor mir, sanftes Bachplätschern, Gerede und die Klänge eines Trommlers dringen in meine Ohren. Ich stehe auf dem Kreuzberg im Victoria Park und Berlin glitzert und funkelt in seinen Abendlichtern zu meinen Füßen. Mein Tag ist perfekt, keine Müdigkeit zu spüren, nur viel Mut und Freude diese Stadt einen ganzen Sommer ganz neu leben und erleben zu dürfen. Meine Reise ist am Ende und ich sitze vor meiner geistigen Freiheit, sie nennt sich BERLIN.

 

 

 

 

"Ich liebe Berlin durch deine Augen" Laura T. aus B! Genau dem schließe ich mich an.

Alle Bilder in diesem Artikel wurden von Oliver Huizinga geschaffen. Berlin ist nicht nur vielseitig, sondern so vielfältig zu sehen. Was gleich bleibt ist die Liebe in jedem Bild und jedem Wort. Hier geht es zu einem der begnadesten Fotografen dieser Stadt Oliver Huizinga, erfreut euch an seinen Werken, sie laden ein mit neuen Augen zu sehen :-)


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