Sein & Haben - Die Interviewreihe zu Konsum und Kapitalismus

Vielfalt ist ein Prinzip, das wir vor allem im Kapitalismus und einer konsumorientierten Gesellschaft – unsere heutige - klar erkennen können. Es treibt uns also von Natur aus in ein Kaufangebot von Hülle sowie Fülle und ständiger Entscheidungsfindung, was wir uns wieder Gutes tun können. Ein multifunktionales Handy, das die Kommunikation in neue Dimensionen bringt; die schönsten Highheels aus Wildleder, welche die paar Gramm zu viel an den Hüften vergessen lassen; das neue Auto, das den harten Arbeitstag bereits am Morgen versüßt oder auch die 1 Std. Thaimassage die das Gleichgewicht des Alltags wiederherstellt. Was wir uns wünschen, können wir jederzeit haben, wenn die Mittel, also das liebe Geld, reichen. Doch so einfach verhält es sich leider nicht. Der Konsum und das System des Kapitalismus tragen sowohl Gutes als auch Schlechtes in sich. Wir sind überfordert von der Menge, die wir jederzeit glauben kaufen zu müssen, um ein vollständiges Mitglied dieser Gesellschaft zu sein. Schon lange gelten nicht mehr die inneren Wert oder ein sozialer Zusammenhalt. Wir wählen Freunde nach Status, Jobs nach Vergütung und Essen nach Versprechen. All das lässt uns dem idealistischen Bild eines vollkommen Menschen folgen, den wir nicht mal mit Hunderten von Schönheits-Operationen, Autos, Luxusgütern und Antifalten-Creme in einem einzigen Leben erreichen könnten.

Diese beiden Sichtweisen über den gegeben Fakt eines kapitalistischen Systems und der damit folgenden konsumorientierten Gesellschaft stellen aber nur die beiden Extreme möglicher vielfältiger Sichtweisen dar. Der, der nicht gerade viel über Wirtschaft, Geld und Politik weis, kommt in unseren Expertenrunden nie zu Wort oder er muss sich einer vernichtenden Kritik stellen. Der, der glaubt alles darüber zu wissen, verblendet die Masse mit seinen extremen Ansichten gegen oder für den Kapitalismus und Konsum. Aber wie so oft liegt die Wahrheit zwischen den Extremen.

Es ist Zeit für eine Plattform die nicht nur den Experten in ihren Gremien oder den Trotteln im Nachmittagsprogramm Gehör verleiht. Mit dieser Interviewreihe wird ein repräsentativer Querschnitt derer angestrebt, die nicht vollkommen verblendet sind, aber nicht den Finanzmarkt tagtäglich studieren. Sie soll helfen andere Sichtweisen in den Diskurs des Leser und womöglich in den des öffentlichen Lebens zu geben, ohne das hitzige und streitsüchtige Diskussionen entfachen. Sie soll helfen Erkenntnis zu steigern, ohne dem Ziel des Rechthabens zu folgen. Sie soll motivieren, die eigene Meinung zu äußern, ohne sich verteidigen zu müssen. Und wenn der eine oder andere am Ende das Gefühl hat, irgendwie doch nicht so konform mit seiner Meinung über den Konsum und Kapitalismus zu sein, kann er sich auf der Grundlage von Vielfalt eine neue Idee stricken und das erfüllende Gefühl der Erkenntnis genießen. Diese Interviewreihe steht für all die Menschen, die es statt haben, dass wenn sie was sagen, ihr Wort an der nächsten kritischen Meinung ins Unrecht zerschellt und wenn sie nichts sagen, sie das Unrecht der Tatenlosigkeit schürfen. Vielleicht finden wir so den gemeinsamen Nenner den ein Volk braucht, um das System menschenwürdig zu gestalten und letztlich eine einheitliche Stimme zu erhalten. Denn das ist die Grundlage einer Demokratie, die Stimme hinter dem Volk, denn so wird das System eigentlich genannt, in dem wir leben.

Erkenntnis und Frieden eure Miss Dáilo

Kapitalismus ist die Krankheit unserer Gesellschaft!

Ein typischer Berliner Hinterhof in Kreuzberg 36 und ein junger kritischer Geist sind heute Programm. Im Interview treffen wir heute auf eine ehrliche Seele in unserer so verblendeten Gesellschaft. Steffi Scheil ist Teil des Widerspruch einer konsumierenden Gesellschaft, die immer mehr zu lässt, den Kapitalismus als gegeben anzunehmen. Doch es gibt sie noch unsere Idealisten wie Steffi, die selbst kritisch versuchen einen klaren Kopf zu behalten und zum Widerspruch des Lebens stehen. Das Nötigste muss natürlich gekauft werden. Ist jedoch das Geld da, ist auch das unnötige und verschwenderische Zulegen von Konsumgütern nicht weit. So ein neuer Computer für neue 3D-Animationen ist schon was Feines. Dieser Fakt zeichnet bei Steffi eine kleine Sorgenfalte auf die Stirn. Der Konsum und die ständige Entscheidungsfindung zwischen all diesen vielen Versprechungen sind belastend und anstrengend zu gleich für diese junge und enthusiastische Seele, die sich dem kommenden Interview vollkommen hingibt.

 

Das Grundbewusstsein der Menschen muss verändert werden und nicht nur bei einigen wenigen. Denn der Konsum und das kapitalistische Scheffeln von Geld zeigt, dass es den Menschen nicht gut geht.

Nicht eine Gleichstellung von Konsum, sozialem Interesse und Selbstverwirklichung sind ihrer Idee nach nötig. Die Harmonie mit sich selbst ist ihr Stichwort, das uns von dieser Krankheit namens Kapitalismus heilt. Dessen Symptome die Reichen noch reicher und die Ärmeren noch ärmer macht. Keine Spur von sozialer Gerechtigkeit geht mit diesem System einher und bei der Frage nach Selbstverwirklichung kann Steffi diese nur verneinen. Wir sind schließlich ständig abgelenkt von uns selbst und dem was wir unnötigerweise kaufen. Es weiß kaum jemand, wer er wirklich ist und wo er oder sie aus reinem Herzen hin will. Der Großteil unserer Gesellschaft umgibt sich nicht mit Menschen die einem ein gutes Feedback oder auch Orientierung und Liebe geben, sondern mit solchen, die einem kurzzeitig am Meisten bieten können, seien es Kontakte zur Karriereförderung oder materielle Dinge.

Und kaum einer sieht heute noch, dass Freiheit bedeutet, das zu machen, was er oder sie wirklich will und gelichzeitig erfüllt. Jobs werden ausgeübt, um einfach nicht verzichten zu müssen. Dieser Belastung kann die Psyche kaum standhalten und da ist nach Steffi´s Meinung auch schon baldig der Körper dran, in den keine Ruhe einkehrt, um auch mal Phasen zu haben, in denen wir uns einfach nur mit uns selbst beschäftigen. Diese Phasen, die Steffi sich versucht so oft wir möglich zu gönnen, sind grundlegend, um zu sich zu finden.

 

Steffi selbst ist an unserer heutigen Shopping-Kultur bereits zum größten Teil die Lust vergangen. Auch mal auf was zu verzichten, gibt zwar manchmal das Gefühl, nicht ganz dazu zugehören und etwas hinterher zu sein, – da kommt auch bei ihr der Herdentrieb durch - aber hilft ihr, um Luxus zu definieren und Platz für Neues zu schaffen. Natürlich ist die Teilnahme am öffentlichen Leben ohne Geld kaum zu meistern, aber nach dem das Überleben mit einem Dach über dem Kopf und einer warmen Dusche gesichert ist, kann der Luxus auch ohne Geld beginnen, da sie gerne Morgens aufsteht und auch abends zufrieden ins Bett geht. Sie kann das machen, was sie gerne macht und ein Urlaub, um mal vom ganzen Konsum-Overload weg zukommen und etwas Zeit für sich zu haben, ist auch drin. Doch in der Masse sieht Steffi dieses Verhalten nicht. Im Gegenteil, die Gesellschaft tut alles, um noch mehr konsumieren zu können. Die Privatverschuldung hat ein ungeheuerliches Ausmaß angenommen, denn der Druck des Brauchens, um glücklich zu sein, ist immens. Das beflügelte Gefühl nicht von Werbung beeinflusst zu sein, etwas nicht gleich als erster zu haben und sich nicht immer beim konsumieren zu ertappen, hilft Steffi, um Sachen wieder wirklich zu schätzen. Und auch das Gefühl, dass es Blödsinn ist, so viel zu konsumieren, stellt sich ein. Die Last der ständigen Fragerei, was müsste sie dafür tun, um es haben zu können, schwirrt nicht mehr in ihrem Kopf. So bleibt Zeit für mehr, um seinen eigenen Maßstab festzulegen und nicht der von der Werbung vorgesetzten Befriedigung nach gehen zu müssen.

 

Für Steffi gebe es ohne Konsum weniger Probleme, denn Neid und Missgunst blieben aus. Und wenn der Zwang nicht da wäre zum Konsum, würde es weniger Kriminalität geben. Weniger von denen die andere versuchen auszubeuten, um selber mehr zu haben. Aber es würde nicht alle sozialen Probleme lösen, die wir global in der Gesellschaft haben. Viel mehr würde es helfen, die Probleme offen zu legen, die wirklich wichtig sind, wie z. B. der Hunger in der Welt. Denn wir machen uns Gedanken, die eigentlich gar nicht wichtig sind, wenn wir den Konsum 24/7 leben. Ein krasses Ungleichgewicht, das ohne Konsum wegfallen würde. Das heißt nicht, dass wir kein Geld brauchen, denn dafür würde was anderes an die Stelle von Geld treten. 5 Kamele für das neue iPad. Das wäre dann wohl ein gängiger Deal, aber irgendwie das gleiche in grün. Es ist nicht das Geld an sich, sondern das Ungleichgewicht der Verteilung des Geldes, das Menschen hungern lässt. Die Verteilung ist aus den Fugen geraten, denn es ist ja von allem genug da.

 

So macht diese Verteilung auch noch undankbar, weil wir viele Sachen als gegeben ansehen. So als seien wir kein vollkommener Mensch, nur weil wir kein Internet zu hause haben. Und die Undankbarkeit merkt Steffi, denn die meisten Menschen klagen, dass sie etwas nicht haben, anstatt sich an dem zu erfreuen, was sie haben. Mit einem kleinen Lächeln räumt sie aber charmant ein, ein neues Fahrrad wäre für sie auch nicht verkehrt. So müssten wir doch eigentlich glücklich sein mit einer guten Gesundheit und gutem Essen auf dem Tisch. Doch der Konsum löst das Problem nur im Moment mit der immer nötigen schnellen Lösung des kurzen Glücksgefühl, bis das nächste Teil her muss. Der Konsum verhält sich wie eine Droge. Nachhaltig kann er dem Menschen nicht helfen. Ein Arschloch bleibt ein Arschloch mit und ohne iPad – dieses Beispiel dient der reinen Hilfe der Erklärung. Kurz um: Der Mensch ist so oder so unglücklich, wenn er konsumieren muss. Wenn er aber ein glücklicher und positiver Menschen ist, dann ist er das auch mit iPad.

 

Unmut, Machtlosigkeit und Unverständnis wie es so weit kommen konnte, schimmert durch Steffi´s Worte. Aber es ist kein Geheimnis, das es so nicht weiter geht. So beendet Steffi dieses Interview mit klarer Stimme: Konsum und Kapitalismus sind von Dummheit und Skrupellosigkeit gesteuert. Zu viel Wissensintelligenz und zu wenig Sozialkompetenz und –intelligenz schaffen ein gefährliches und unmenschliches Klassengefälle, das immer mehr auseinander driftet. Es sollten mehr Optimierung der Motivationen einer Gesellschaft geben, die vor allem die Kinder der kommenden Generation früh erlernen sollten. Nicht kaufen und Macht sind Lebenssinn, sondern mit Menschen auskommen und Frieden mit sich selbst haben, sind für ein erfülltes Leben notwendig. Der Kapitalismus muss reguliert werden, so dass er uns nicht kaputt macht und vor allem nicht nur eine elitären Gruppe der Gesellschaft fördert, sondern der Weltbevölkerung. Also dem Großteil der Bevölkerung dient. Wenn es durch den Kapitalismus keine Dritte Welt mehr gäbe, wäre es ein guter Kapitalismus!

Wir brauchen bessere Entlohnen und wir müssen noch mehr Teilhaben, an dem was wir produzieren. Es ist aber auch Zeit für Werbespot für Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Das würde Wirkung zeigen. Genau so wie es Wirkung gezeigt hat mit der ganzen Werbungen, so das wir nur noch konsumieren, um ein besserer Menschen zu sein. Der Mensch ist nun mal beeinflussbar. Warum es nicht mal zum Guten nutzen. So werden wir uns nicht mehr grundlegend schlecht fühlen und endlich mal aus unseren Kreisen ausbrechen. Endlich weg von dem verzerrten Spiegelbild, das uns zeigt, wer wir sein müssen und das wir nicht genügen, als die Menschen die wir gerade grundlegend selbst sind.

 

Steffi muss wahrlich nicht mehr kaufen, um ein besserer Mensch zu sein und so gibt sie uns einen letzten Satz mit auf den Weg in unsere Alltäglichkeit:

Konsum ist die einfachste Möglichkeit, sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen!

 

Für Steffi sind das die Folgen des Kapitalismus:

  • Krieg
  • Krankheiten
  • Gesellschaftliche Klassengefälle
  • Umweltverschmutzung


 

Steffi Scheil ist 29 Jahre alt und hat sich nicht nur beruflich, sondern aus voller Leidenschaft dem Beruf des Digital Artist gewidmet. Sie schloss in Berlin ihre Ausbildung als Diplom Digital Artist ab. Ihre politische Orientierung kann als grün beschrieben werden. Gesellschaftlich ist sie evangelisch aufgewachsen. Ihr Bild zum Interview hat sie selber kreiert. Es stellt sie selbst dar und ihren Bezug zum Blauen Planeten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Saru Pinsel (Mittwoch, 02 Juni 2010 17:39)

    Wow. Ein ansprechend gestaltetes Interview mit einer beeindruckenden Persönlichkeit. Daumen hoch! :)

  • #2

    Miss Dáilo (Montag, 07 Juni 2010 01:05)

    Ich danke! Und das mit der beeindruckenden Persönlichkeit kann ich nur unterstreichen ;-)